Neue Konzepte im Geschichtsunterricht
Geschichte attraktiver machen
© Damian Gorczany
Eine Stereoskopie: Durch sie kann man die Umgebung gleichzeitig aus zwei Blickwinkeln betrachten. © Damian Gorczany
Eine Stereoskopie: Durch sie kann man die Umgebung gleichzeitig aus zwei Blickwinkeln betrachten. © Damian Gorczany

Bildung. Prof. Christian Bunnenberg findet neue Konzepte für den Geschichtsunterricht interessant, warnt aber auch vor Fehlern.

Es gibt viele Konzepte, um Geschichte für Menschen anziehender zu machen: Virtual Reality, Stereoskopie, 360-Grad-Panoramagemälde oder Ganzkörperanzüge. Dank der Digitalisierung sind solche Konzepte möglich. Ein Ziel dabei ist auch, Schüler*innen Geschichte zu vermitteln. Prof. Christian Bunnenberg, Geschichtsdidaktiker an der RUB, ist bei solchen Konzepten noch vorsichtig, aber „verteufeln will ich diese virtuellen Angebote auf keinen Fall“. Stattdessen überlegt er, wie zum Beispiel 3D Filme sinnvoll in den Unterricht eingesetzt werden können: „Wichtig ist: Geschichtsunterricht muss den Konstruktcharakter von Geschichte offenlegen. Geschichte ist ein zeit- und perspektivgebundenes Reden über die Vergangenheit.“


Ein- und wieder auftauchen

Nach dem Geschichtserlebnis sei es entscheidend, wieder in die Realität zurückzufinden. Das würden manche Konzepte noch nicht bedenken. In der Gedenkstätte Hohenschönhausen, einem früheren Gefängnis der Staatssicherheit der DDR, haben Besucher*innen die Möglichkeit, für zehn Minuten in die Rolle eines Häftlings zu schlüpfen. Durch den 360°-Film spürt man den Alltag und die Verhörsituationen am eigenen Leib. Doch birgt diese authentische Reise auch Gefahren, wie Bunnenberg weiß: „Zum einen sieht man den Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutlich ihre emotionale Überforderung an. Die Art der Ansprache durch die Schauspieler in diesem 360°-Grad-Film ist so schneidend, dass ich selbst hin und wieder die Brille abgenommen habe, weil es mir zu viel wurde.“ Wichtig sei hierbei, die ästhetisch-emotionale Überwältigung auch wieder aufzulösen, indem zum Beispiel am Ende die Darsteller*innen als Schauspielende erkennbar werden.
Außerdem müssten die angehenden Lehrer*innen in ihrer Ausbildung an digitalen Unterricht herangeführt werden. Deswegen hat das Fach Geschichte an der RUB einen „Digital Classroom Lab“. In diesem Labor wird die Umgebung und Ausstattung eines modernen Klassenzimmers nachgebildet. So können Studierende an den digitalen Unterricht herangeführt werden und neue Konzepte erlernen.

:Maike Grabow
 

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