Still not enough
Spiel und Spaß mit UK-lers – Ein Brexit Musical
Bild: fufu
Zwei Abende Lacher statt Antworten – PLAY/WITH/BREXIT. Bild: fufu
Zwei Abende Lacher statt Antworten – PLAY/WITH/BREXIT.

Theater. Ein Ensemble aus sieben RUB Studentinnen hat unter der Regie von Niklas Füllner und Kai G. Bernhardt innerhalb eines Workshops ein Musical erarbeitet.

Für diejenigen, die immer noch nicht genug von der laufenden Debatte um Mutter Englands Zugehörigkeit haben (:bsz 1213), gab es vergangenen Freitag und Samstag im Musischen Zentrum die Chance, das Ganze noch mal aus der Zukunftsperspektive zu betrachten. In teilweise gesungener Form.
Im Zuge der fiktiven Festivitäten des 25. Jahrestags des Brexits wurde im Musischen Zentrum der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gefeiert. Nur merkte man hier schnell, dass auch ein Vierteljahrhundert nach der Entscheidung das Land noch immer gespalten ist. So schwappte der Festtag sehr komödiantisch und sarkastisch schnell und immer wieder zu einer Trauerfeier über. Es wurde gesungen, beklagt, gelacht, unterbrochen und debattiert, während die Moderatorinnen des Abends nach und nach ihr Amt unverrichteter Dinge ablegten. Alles ähnlich wie beim Brexit.
Gastauftritte von National Treasures wie der Queen oder William Shakespeare als quasi-Zombie, der fassungslos vor den Trümmern des Vereinigten Königreichs steht, sorgten für sehr witzige Überraschungsmomente. So sagt der eigentlich tote William Shakespeare: „Brexit is a story written by fools.“
Auch ein verkörperlichtes Mutter England besang das tragische Schicksal der Nation in einer angepassten Version von Les Misérables „On My Own“. Kurzgefasst: England is still missing (E)U. Dafür wurde es von der nachfolgenden Moderatorin schnell von der Bühne verbannt mit der Aufforderung, nicht so weinerlich zu sein.
Für viele Lacher innerhalb des Publikums sorgte das plötzliche Hereinplatzen der Germans, einer Gruppe deutscher Touristinnen aus Castrop-Rauxel, die sich auf ihrer Erkundungstour des fernen Kontinents England in der City Hall verlaufen haben. es gab auch ein Rapbattle zwischen Pro- und Kontra Demonstrantinnen im Hamilton Stil, bei der sich selbst Zombie-Shakespeare mit seiner virtuosen, poetischen Art nicht zweimal bitten ließ, daran teilzunehmen. Nur um eine kurze Evaluation des Wortes Rapbattle hatte er zunächst gebeten. Am Ende kam es dennoch nicht zu einem klaren Ergebnis für England. Auch auf die Frage der großen britischen Poeten The Clash „Should I stay or should I go“ wurde an diesen Abenden keine Antwort gefunden. Aber viel Spaß dran.
Die Inszenierungsform orientierte sich dabei formal an experimentelleren Modellen wie von Jacques Rancière oder Bertolt Brecht und bildete dadurch eine demokratische Theaterplattform für vorallem nicht übereinkommende Meinungen. Doch das wilde Durcheinander bringt auf der Theaterbühne erfreulichere Ergebnisse als im House of Commons. Humor statt Frustdebatten.

Das Theaterstück um den Brexit war Teil einer Produktion des Optionalbereichsmodul Play/With/Brexit für den Zwei-Fach-B.A., angeboten an der Ruhr-Universität Bochum. Ein vorausgegangener Workshop unter der Leitung von Maria Milisavljevic diente als Ausgangspunkt für die Erarbeitung des Theaterstücks. Sie war auch für die Dramaturgie verantwortlich. Das Musical war komplett in englischer Sprache und dauerte knapp 45 Minuten. Dabei heraus gekommen ist eine sehr lustige Verarbeitung der Debatte, bei der die RUB Studentinnen ihr komödiantisches Talent schauspielerisch bewiesen haben.                      

:Christian Feras Kaddoura