Die Zeitung von Geflüchteten
Von Flucht, Liebe und Leben
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Amel Fellah, Issam Alnajm, Laila Ammi, Mahmoud Aldalati, Esther Petrosyan (v. l. n. r.): Literarische Kunstwerke auf Deutsch.  Bild: sat
Amel Fellah, Issam Alnajm, Laila Ammi, Mahmoud Aldalati, Esther Petrosyan (v. l. n. r.): Literarische Kunstwerke auf Deutsch.

Vortrag. Zu einer berührenden Lesung über Fluchterfahrung, das Einleben in der neuen Heimat und über Hoffnung luden Teammitglieder der Zeitung „Neu in Deutschland“ (NiD) am 16. April ein.

Fünf Autor*innen zeigten am Dienstag was sie bewegt: In der Universitätsbibliothek trugen Autor*innen der NiD persönliche und eigenverfasste Gedichte, Geschichten und Lieder vor. Keine*r von ihnen ist länger als drei Jahre in Deutschland und dennoch sind unter den Werken nominierte Stücke dabei. Wie beispielsweise das Gedicht „Ich gehöre zu dieser Stadt“ von Issam Alnajm. Die Literarische Gesellschaft Bochum zeichnete die Liebeserklärung an die Stadt des syrischen Bochumers im November 2018 mit dem ersten Platz aus.
Die Gedichte zeigen eine Gemeinsamkeit auf: Kummer aber auch Hoffnung.  So zum Beispiel im Gedicht „Lasst mir die Nacht“ von Laila Ammi, in dem sie auffordert das Übel gehen zu lassen und dafür zu lächeln. Laila ist Kurdin und hatte vor NiD keine Schreiberfahrung. Sie erzählte ihren Geschwistern in ihrer Heimat ausgedachte Geschichten und nimmt an, dass sie daher ihre Fantasie hat. Ihr wegbeschreitendes literarisches Erlebnis hatte sie etwa vor sechs Jahren in der Türkei, als sie mit 17 Jahren in einem Café arbeitete. Bei einer Bestellung vermisste sie ihren Stift und plötzlich brodelte aus ihr das Bedürfnis, ein Gedicht über den fehlenden Stift zu verfassen.
Ähnlich geht es Amel Fellah. Die 23-jährige Algerierin sagt: „Ich kann nicht auf meinen beiden Muttersprachen [Anm. d. R.: Arabisch und Französisch] schreiben. Aber wenn ich etwas sehe und es kommt, dann kommt es nur auf Deutsch“.

Wie alles begann

„Neu in Deutschland“ gründete sich 2015 in Bochum unter der Leitung von Dorte Huneke-Nollmann. Kennengelernt haben sich die Autor*innen im Deutschunterricht, wo die Idee aufkam, selbst eine Zeitung zu schreiben, in der Geflüchtete zu Wort kommen können und nicht nur über sie berichtet wird. Zurzeit zählt der feste Kern der Zeitung etwa 20 Mitglieder meist aus Syrien, Irak, Iran, Algerien, Armenien und den kurdischen Gebieten. Um einen funktionierenden Redaktionsalltag zu gewährleisten, einigten sich alle Redakteur*innen recht schnell, dass politische und religiöse Themen nicht behandelt werden. Die preisgekrönte Zeitung erscheint vierteljährig und ist kostenlos unter nid-zeitung.de/printausgabe online zu lesen.

:Sarah Tsah
 

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